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Der Biergrantler unterwegs. Belgien Teil 3

Brügge, 2. Tag

 

Wir flanierten auf Umwegen in Richtung Groeningemuseum. Irgendwie muss man den Vormittag hinter sich bringen.

In diesem Biertempel gibt es eine ganze Wand nur für Sauerbiere, ein Traum.

Schaut man sich die „normalen“ belgischen Biere an, kosten die schon mal zwei bis drei mal so viel wie im „Spar Laden“ in Poperinge.  Gut, dass wir da schon ein paar Flaschen mitgenommen haben.

 

Ein Wiedersehen mit dem Westvleteren 12, hier für 12,50 € die Flasche. Schon interessant, für ein Bier das nicht weiterverkauft werden darf.

 

Brouwerij Bourgogne des Flandres, mit Biergarten direkt am Kanal. Leider haben die nur Brotzeiten, sonst wären wir da zum Mittagessen hingegangen,

Das Museum hat sogar mir gefallen, Kunstbanause der ich nun mal bin.

„Das hier finde ich ganz gut“.  Das sagt auch Ray (Colin Farrell  in Brügge sehen und sterben) über „das jüngste Gericht“ von Hieronymus Bosch. Natürlich ist das eine Anspielung auf den „Show down“ im oben genannten Film. Mir hat es aber unabhängig davon gut gefallen, weil es sich halt auch einigermassen von selber erklärt.

Danach gab es dann endlich Mittagessen und eines der interessantesten Biere der Reise. Das Oud Bruin der brouwerij-strubbe

Schaut man sich die Farbe und das Bierglas an, könnte man als oberbayerischer Mensch sogleich schwermütig werden. Sicher mit irgendwelchen Caramalzen auf mastig süß getrimmt…

Und genau diese Malze sind da auch drin: 20 % Ambermalt und 5 % dunkles Caramelmalz, der Rest Pilsener Malz. Aber die Oud Bruin Hefe hat daraus ein Meisterwerk gemacht. Man hat den vollen Malz Genuss, bei einem malzig süßen Antrunk, begleitet von einer säuerlichen Frische und Spritzigkeit, die mir so noch nicht begegnet ist. Ein Fest für die Nase und den Gaumen und das bei nur 5,5 % Alk.Vol. Dazu gab es das „Nationalgericht Waterzoi“.

Nach einem fränkischen Schäuferla und Lagerbier denkt man eigentlich nur noch an die Couch. Nicht so hier. Erfrischt ging es auf zu neuen Taten. Das versuche ich auf jeden Fall nach zu brauen.

Unterwegs haben wir uns noch das Beginenkloster, in dem es aber keine Begine mehr gibt, angesehen. Da hängen überall und in allen Sprachen Schilder, mit der Aufforderung  man möge sich angemessen verhalten, keinen Lärm machen, etc. etc.. Mir sind da vor allem kreischende asiatische Menschen aufgefallen, von wegen Seele baumeln lassen, wie das im Reiseführer steht.

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Gut, Seele baumeln lassen geht für mich mit einem Brauereibesuch besser und so haben wir dann an der Brauereiführung der Halve Maan Brewerij teilgenommen.  Unser Führer war ein selbstbewusster Braumeister, der mit einem gewissen Stolz auf seine Brauerei und vor allem Fachwissen, seine englischsprachige Führung sehr gut gemacht hat.
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Ich habe ihn gefragt, ob bei der ca. 3 km lange Pipeline von der Brauerei zur Abfüllanlage nicht Schwierigkeiten mit Sauerstoffeintrag im Bier auftreten. Das wurde natürlich entschieden verneint.
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Wir lernen, was wir schon immer dunkel geahnt haben, nämlich dass jedes belgische Bier sein eigenes Glas hat.
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Die Führung erfolgt zum Großteil in der alten Brauerei, die jetzt als eine Art Museum dient. Hier sieht man das Kühlschiff und erfährt, dass die Kollegen in der Lambic Gegend immer noch mit dieser Technik arbeiten.
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Hier lagert die Heritage Ausgabe des Straffen Hendrik.

Dazu hat unser Braumeister kein Wort verloren und ist sozusagen vorbeigeeilt, vermutlich um nichts ausschenken zu müssen. Ein Fläschlein haben wir für teuer Geld (18,- €) dann im Shop mitgenommen. Das darf jetzt noch ne Weile reifen.

Nach der etwa 2 stündigen Führung wird man dann in die Wirtschaft gelotst, wo man einen Brugse Zot umsonst bekommt. Das ist natürlich ein kleveres System. Nach so einer Führung hat man Hunger und bleibt sitzen. So auch wir.

Wir haben dann noch, zu einer sehr guten Brotzeit, den straffen Hendrik ein 11% Alk. Vol. Quadrupel und den wilden straffen Hendrik getestet. Alles einwandfrei, wobei letzterer schon was Besonderes ist. 9 % Alk. Vol. und wunderbare Brettanomycesaromen. Das ist so richtig strong, nichts für zarte Seelchen, äh kein guter Einstieg in die Brett Materie. Ich war natürlich begeistert, weil ich dergleichen nicht erwartet hatte. Es lebe die unvollständige Vorbereitung auf solche Reisen!

Am Abend war dann das `t Brugse Beertje dran.

Das Eigenartige an diesem Biercafe (ja wie nennt man dergleichen eigentlich? Selber nennen sie sich Biercafe) war, dass wir uns von Anfang an wie daheim fühlten. Wir waren das erste mal in Belgien, das erste Mal in Brügge und das erste mal im  `t Brugse Beertje . Vielleicht lag das, abgesehen vom angenehmen Ambiente an der klassischen Musik, die im Hintergrund lief.

 

Es gibt 5 Biere vom Faß und ca. 300 Verschiedene Flaschenbiere.

 

Wir bestellten erst mal zwei Faßbiere um Zeit zu gewinnen. So konnten wir in Ruhe die Karte studieren.

In der Hand ein Saison von der Brasserie de la Senne: Kräftige Hefe, kantig herber Abgang,  vorne:  „What the Fuck“ ein IPA von der White Pony Microbrewery, 6 % Alk, 65-95 IBU (so steht das dabei), Korrektes IPA, Pinien, rauchig, aber auch langweilig im Vergleich zu den anderen Bieren im Beertje!

 

Michael Jackson war auch hier, nicht der Sänger, der Richtige, DER Michael Jackson, der Beerhunter, der  mit seinen Veröffentlichungen sowas wie eine Initialzündung für Belgiens Bier Tourismus ausgelöst hat.

 

Blick zur Theke. Die Kellner sind Profis und  sehr aufmerksam, ohne dabei aufdringlich zu werden. Ein kleines Zeichen genügt und man kann bestellen. Das Einschenken von Flaschenbieren wird am Tisch zelebriert. Da sind Leute am Werk, die Freude an ihrer Berufung haben.

 

De straffe Hendrik, Tripel. Damit hatten wir alle Biere der Halve Maan Brewerij durch, die Anderen gab es ja nach der Brauereiführung.  Auch tadellos und die Gelegenheit, mal nachzufragen, wie das denn nun sei, mit den Brauereien in Brügge.

Unser gut gelaunter Kellner und Lokalpatriot erzählte uns dann, dass die Brouwerij Lapin de Brugge nicht in Brügge braut und die Brouwerij Bourgogne des Flandres, wohl innerhalb von Brügge braut, aber die Würze Anderenortes vergären, bzw veredeln lässt. Das ist natürlich für belgische Verhältnisse schon so was wie ein Armutszeugnis, wenn man den wichtigsten Schritt der Bierherstelleung auslagert.

Die einzige Brauerei die noch in Brügge braue, sei die Halve Maan Brouwerij, versicherte er uns sichtlich stolz.

Das wars dann, mit einem letzten Blick aufs Beertje traten wir den Rückzug an. Unser erster Belgien Urlaub war wunderbar und es wird nicht der letzte gewesen sein. Ich denke mal, dass man nach weiteren ca. 11 Besuchen in Belgien, mal so einen groben Überblick über die einzigartige Biervielfalt, die ihresgleichen sucht, haben wird.

Tot ziens Flandern, Au revoir und Servus Belgien, wir kommen wieder.

Nürnberg,  Oktober 2017

Der Biergrantler unterwegs. Belgien Teil 2

Brügge

 

Erst mal ein Tipp: das Auto stellt man besser außerhalb der mittelalterlichen Altstadt von Brügge ab.  Sonst kann das teuer werden, strafzettelmäßig. Wir haben am Bahnhof geparkt. Von dort aus gehen 4 oder 5 Buslinien ins Zentrum und man kann alles Wichtige zu Fuß erreichen.

Je nachdem, wo man hinkommt sind die Touristenmassen unterwegs, wie im Bild oben, am großen Markt, oder man findet ein, zwei Straßen weiter, ruhigere Orte, wie unten im Bild.

 
Wir liefen erst mal etwas herum und nahmen einen kleinen Imbiss.
Dann wurde es Zeit für ein erstes Bier, also sind wir in ein x-beliebiges Cafe eingekehrt und haben ein tadelloses Blondes und ein flämisches Sauerbier, die Bourgogne des Flandres getrunken, letzteres war der etwas milderen Art und von einer ortsansässigen Brauerei (oder doch nicht so richtig aus Brügge? Mehr dazu in Teil 3)

Man bekommt überall ein bisserl Knabberkram dazu, eine nette Geste.

Nach einem Nachmittagsschläfchen gehts dann aber zur Sache, wir sind ja nicht zum Spaß da :).

 

De Halve Maan ist die einzige Brauerei, die noch in Brügge braut, so liegt es nahe, am großen Markt, mit Blick auf den Belfried, erst mal einen Brugse Zot und ein Wit zu trinken.

 

Der „Zot“ ist sowas wie ein Narr oder Irrer, also wie bei uns ein Till Eulenspiegel, nur waren es halt in Brügge alle Bürger, die Irre waren, zumindest war das 1488 die Meinung  von Maximilian von Österreich, der so seine Schwierigkeiten mit den Einwohnern von Brügge  hatte und sagte, man solle die Stadttore schließen, dann hätte man ein großes Irrenhaus. Man wollte damals ein Irrenhaus bauen, das von ihm genehmigt werden musste.

Im Jahre 2005, so erzählte uns ein Braumeister der Halve Maan Brauerei, ließ man die Einwohner abstimmen, wie das neue Brügger Stadtbier heißen solle und so kam es zu dem Namen „Brugse Zot“.

Belfried? Genau, das ist der Turm, von dem sich Ken (Brendan Gleeson) im Film „Brügge sehen und sterben“ herunterstürzt und sowas wie ein Wahrzeichen ist er auch. Noch heute darf kein Gebäude in Brügge höher sein als der Belfried.

Im Film kostet der Eintritt noch 5 €,  jetzt ist der Kurs schon bei 10 €, die wir aber lieber in Bier investiert haben, z. B.: im ‚t Poatersgat, das sich in einem etwas schummrigen Kellergewölbe befindet.

Wieder empfängt uns 80er Jahre Musik, wie im de Vrede, nur ist hier ein Wirt am Werk, der wieselflink die Gäste bedient, ausschenkt, leere Gläser abräumt, abspült, also wirklich alles alleine macht. Trotzdem hat der noch Zeit zu jedem Bier etwas zu sagen. Da arbeitet einer mit Spaß an seinem Job und das kommt bei seinen Gästen an. Natürlich gibt es da nichts zum Essen. Da geht es um Bier und sonst nichts.

 

Tja, wo anfangen? Sympathisch ist schon mal, dass es da eben keine 50 Zapfhähne gibt. Ich frage mich immer, wie frisch man da  sein Bier bekommt, wenn man mal was ausgefalleneres will und vor allem wer die Bierleitungen wartet, aber egal, zur Sache:

Los geht es mit einem Saison Dupont und einem Gouden Carolus Classic.

Beides für ihren jeweiligen Stil sehr gute Biere und auf jeden Fall zu empfehlen.

Bei der Auswahl im ‚t Poatersgat, bin ich von meinem Plan, nur Biere aus der Gegend, also Flandern, zu trinken etwas abgekommen.

La Chouffe Houblon Dobbelen IPA Tripel, vom Faß, kombiniert in perfekter Form klassisches englisches IPA mit belgischem Tripel. Man hat den trocken malzigen Antrunk und die belgischen Hefearomen eines Tripel mit der Bittere eines IPA harmonisch vereint. Große Klasse!

Die von zwei Hobbybrauern, Pierre Gobron und Chris Bauweraerts 1982 gegründete Brasserie D` Achouffe gehört seit 2006  zu Duvel-Moortgat, das tut der Qualität aber keinen Abbruch.

 

Endlich Sauerbier, links sieht man die Duchesse de Borgogne, links das Delirium Red. Beides polarisierende Biere. Die Duchesse ist ein Flemish Red, mit wunderbar malzigem Antrunk, Balsamico in der Nase und mild saurem Abgang. Viele bemängeln die Essignoten, ich liebe sie.

Das Delirium Red der Brouwerij Huyghe ist so manchem Kritiker zu süß. Das Bier hat von allem deutlich zu viel,  diese schwere Süße, der überbordende barocke Körper, die wuchtigen 9% Alk. und das alles frisch vom Faß, das ist genau meine Welt, da könnte ich mich reinlegen.

Hier im ‚t Poatersgat waren viele junge Leute unterwegs und vor allem die Mädels tranken das im Vordergrund stehende Lupulus Hopera. Korrektes Bier auf der hopfigen Seite, meiner Frau hat es gut geschmeckt. Mir war das zu wenig belgisch und so habe ich abschließend an diesem Abend das bekannte Westmalle Triple getrunken, sozusagen zur Erdung und zum abschließendem Vergleich.  In unserer Unterkunft gab es dann noch ein Orval.

Was für ein erster Tag in Brügge , aber es sollte noch besser werden!

Hier geht es zu Teil drei.

Nürnberg, September 2017

 

Der Biergrantler unterwegs. Belgien Teil 1

Flandern, Vleteren, Poperinge.

Belgien? Urlaub in Belgien? Da sind wir immer nur durchgefahren. Das ist die Reaktion, die man von den meisten Leuten bekommt, wenn man sagt, dass man in Belgien Urlaub macht. Belgien ist vermutlich das Land mit der größten Biervielfalt der Welt. Einen winzig kleinen Teil davon haben wir uns  angeschaut.

Nach einem 800 km Nonstop Trip sind wir im „In de Vrede“ und haben „die Drei“ Westvleteren Biere vor uns. Auf diesen Moment habe ich sehr lange gewartet.

Von links nach rechts: Blonde, 8 und 12.

Die Biere kommen zu kalt und sehr spritzig, also erst mal stehen lassen und laangsam genießen.

Eine Tagebuchnotiz:

Das de Vrede ist eigentlich eine große Wartehalle ohne Athmosphäre, dazu Radiomusik mit Titeln aus den 80ern, Stones, Clapton. 8er gut aber kein Vergleich zum 12er. Blonde: sehr erfrischend, mal wieder nachbrauen.  12er einsame Klasse!

Mehr war an dem Abend nicht möglich, da würde man nur unfair werden. Das de Vrede schließt um 21 Uhr. Da kennen die keine Verwandten.

Am nächsten Tag hatten wir dann volles Programm. Erst mal nach Poperinge, dem belgischen Hopfenzentrum.

Sogar mit Maibaum, fast wia dahoam.

 

 Man ist Stolz auf den eigenen Hopfen. Überall hängen Transparente und stehen Schilder. Auch ein Hopfenmuseum haben sie.  Im kleinen Tante Emma „Spar“ Laden, wo wir uns Brotzeit eingekauft haben, gibt es gutes Bier für etwa 1.- € pro 0,33er Flasche. Abt 12, Poperinge Hommelbier, Orval, und und und…

Anders sieht im de Vrede aus. Es gibt das Westvleteren Blonde, für 17,50 den Sixpack. Das 12er haben heute nicht im Angebot. Also nehmen wir einen Sixpack mit.

Wenn wir schon mal da sind, probieren wir noch mal das Blonde und ein 12er, auch schon am Mittag, dachten wir. Wir warteten also 10 min, die Bedienungen sausten an uns vorbei, wir warteten 20 min, noch nicht mal bestellen konnten wir. Nach einer halben Stunde sind wir dann gegangen. Servicewüste im de Vrede.

 

Die Brauerei Tour geht weiter. Wir schauen uns die  St. Bernardus Brewerij an. Probieren kann man das Bier nicht  vor Ort, ist aber auch nicht nötig, Abt 12 und das sehr gute Tripel haben wir gestern Abend, nach dem de Vrede, noch in unserer gemütlichen Unterkunft getrunken, wo der Sohn auch selber braut, auf einer Ami Automatik Anlage. Kleine Welt, großes Hobby.

Einen Prior 8 nehmen wir uns noch mit, im gut bestückten Brauerei Shop. Man hat großes vor mit der Brauerei und ist mitten im Umbau:

Weiter gehts zu de Plukker.
Die kleine Brauerei ist direkt neben dem Hopfenfeld. Es wird auch nur mit dem Hopfen aus Poperinge gebraut. Eigentlich hat der nur am Samstag Verkauf und wir sind an einem Dienstag vor Ort, aber ich wage den Versuch einzutreten.
Kranke, laute Metallic Musik (oder wie das heißt) empfängt uns. Hallo, we want to buy some beers. Ein gut gelaunter Mittvierziger empfängt uns. Dem ist die Begeisterung für seinen Beruf an den blitzenden Augen abzulesen. Ich sage ihm noch, dass wir 800 km durchgefahren sind und nach ein bisschen Smalltalk kaufe ich ihm,
ohne probiert zu haben 12 Flaschen ab.
Inzwischen haben wir das natürlich probiert und es war jeden Cent wert. Hopfen hatte er leider keinen zu verkaufen, hat uns aber auf einen Hobbybrauerladen in Poperinge hingewiesen. Der stellte sich als Baumarkt mit Brouwland Abteilung heraus. Hier die Hopfenauswahl:
Ich habe einen Bazooka Filter fürs Hopfenkochen und 2kg Weizenflocken mitgenommen.
Da wäre schon noch mehr interessantes Zeug gewesen, aber Belgien ist teuer und wir hatten noch ein paar Tage vor uns.
Nach einem guten Abendessen in Poperinge mit Lagerbier (ja untergärig, einwandfrei) Spareribs und hervorragenden Pommes wollten wir es noch einmal wissen: also zurück ins de Vrede. Ein letzter Test des 12ers.
Wir kamen um ca. 19:30 in den Biergarten und ein schlecht gelaunter Kellner erklärte und sogleich, dass um 21 Uhr Feierabend sei.  Aber zur Sache, aus dem Notizbuch:
 
Aussehen:
Kastanie, fast schwarz, haltbarer Schaum, perlend, recht klar.
Nase:
Schoko, Toffee, die Trockenfruchtfamilie, reife Kirschen….
Geschmack:
Wuchtig, schwerer Antrunk, fruchtig aromatische Mitte, Herrenschokolade, Pflaumen, Zwetschgen, langer hopfiger Abgang + viertes Element, eine Art Zusammenfassung der Aromen nach dem Abgang, excellent!
Was haben wir nicht alles im Vorfeld gehört, das 8er ist besser, das 12er wird zu jung ausgeschenkt, so richt schmeckt das erst nach ein paar Monaten, Bernardus Abt 12 ist besser etc, etc.
Das Bier kommt zu kalt, ist zu jung und genau dieses junge, ungestüme Bier, das von Allem zu viel hat mag ich sehr. Ich kenne das 12er auch gealtert. Das hat natürlich auch seinen Stellenwert, aber wie sie das im de Vrede zu kalt ausschenken, ist schon in Ordnung. Das zu kalte Bier kann sich langsam entfalten und so richtig seine Klasse zeigen.
Das 8er müssen sie meiner Meinung nach nicht mehr brauen, dafür das Blonde und das 12er ordenlich vertreiben, nicht verteuert und verknappt im de Vrede und auch nicht mit Telefonterror über die Hotline des Klosters.

Wie kommt das, dass die in dieser Gegend, wo nach unseren Maßstäben nichts los ist, so ein Bier gebraut wird. Man denke nur mal an das Hofbräuhaus in München.
Die Gegend ist ländlich, die Landwirtschaft überwiegt, nur alle paar Kilometer sind kleine Ansiedlungen, die Häuser höchstens einstöckig, auch Neubauten.
Es ist alles sehr aufgeräumt, das Kloster gleicht einer Trutzburg, in die man weder hinein noch hinaus kommt. Das Bild oben, das „In de Vrede, “ ist die einzige Gastronomie, wo das Bier offiziell ausgeschenkt wird. Das wirkt von Außen auch eher wie ein Gotteshaus, sehr aufgeräumt und ohne weltliche Gelüste. Ich denke, es braucht diese Ordnung um dieses außergewöhnliche Bier brauen zu können.
Am nächsten Tag war das Blonde und das 8er im Angebot, also haben wir noch je einen Sixpack mitgenommen.
Das wars dann aber für mich, mit den Westvleteren Bieren. Den Zirkus, den sie dort schlecht gelaunt veranstalten, brauche ich nicht mehr. Wenn ich zufällig und ich betone zufällig, wieder an ein 12er komme, nehme ich das natürlich mit, aber bewusst werde ich mich drum nicht mehr bemühen, da gibt es noch anderes Schönes wie wir noch sehen und vor allem trinken sollten, z.B. das Oud Bruin der Seizoensbrouwerij Vanderwalle:
Auf dem Weg nach Brügge haben wir noch den Umweg über Roeselare gemacht um die Rodenbach Brauerei mal zu sehen.
Leider mit Null Hinweis auf Verkauf, Öffnungszeiten und dergleichen. Kein Biergarten und weit und breit keine Wirtschaft mit Rodenbach Bieren.
Nürnberg, September 2017

Reninge Oud Bruin, Seizoensbrouwerij Vandewalle

Infos:

Seizoensbrouwerij Vandewalle Reninge Oud Bruin, 6% Alk. Vol., 0,75 l Flasche.

Aussehen:

Dunkelbraun, fast schwarz, klar, Betonschaum.

Nase:

Kirschsirup,  Balsamiko, trocken malzig.

Geschmack:

Sehr trockener, malziger Antrunk, perlend. Mitte fruchtig, sauer mit gekonnt herbem Abgang. Die Nase suggeriert ein eher süß saures Oid Bruin, aber das ist eindeutig mit Schwerpunkt auf der sauren Seite.

Gesamteindruck:

Sehr trocken saures Oid Bruin, ohne Kompromisse für die süße Seite. Klasse Stoff!  Die Seizoensbrouwerij Vandewalle ist gerade mal 7,4 km Luftlinie von der St. Sixtus Brauerei entfernt. Wenn ich mal wieder nach Flandern komme, steht ein Brauereibesuch an.

Nürnberg, September 2017

Oha Design Craftbeer Glas

Oha Design hat mir zwei Craftbeer Gläser zum Testen zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse sind wie immer zutiefst subjektiv.

Vom Aussehen her erinnert das Oha Glas an eine Pilstulpe allerdings ohne den zerbrechlichen Stiel, denn das „G1 klar“ hat einen stabilen, schweren Fuß. Aus Versehen wird man dieses Glas wohl nicht umwerfen.

Das Glas verjüngt sich nach oben, so ist gewährleistet, dass sich die Aromen nicht verlieren, sondern am Glasrand sammeln. Dabei ist der Rand dünnwandig, was eine optimale Beförderung des Bieres an die Zungenspitze begünstigt. Bei einem Maßkrug z.B. wird der Inhalt durch den dicken Rand direkt, ohne wesentlichen Kontakt mit Gaumen oder Zunge, in den Hals befördert,

Das Volumen von 0,4 l ist bestens für ein Verkostungsglas geeignet, so passt da ein Schoppen Bier perfekt mit Schaum ins Glas und man kann noch daran riechen. Die Schaumstabilität ist durchweg gut, auch bei Alltagsbieren. Freilich werden hier Fehlaromen, wie etwa Diacetyl oder DMS (Dimethylsulfid) gnadenlos entlarvt. Wer also ein normales Helles in Ruhe trinken will, greift lieber zum Willibecher, wer aber wissen will, wie ein Bier wirklich schmeckt, hat mit dem Oha Glas ein gutes Werkzeug zur Hand.

Das Glas ist aber für sogenannte „Craftbeere“ designed und dafür auch bestens geeignet.

Wir haben mit dem bewährten Maisel & Friends Pale Ale verkostet und mit dem allseits bekannten Teku Glas verglichen.

Die Schaumhaltbarkeit ist beim Oha Glas minimal besser, als beim Teku, dafür punktet das Teku mit einem etwas breiteren Rand, was es erlaubt die Nase beim Trinken bequem ins Glas zu halten. Die typischen C-Hopfen-Aromen, wie Grapefruit, Citrus und Orange kommen mit beiden Gläsern gleich gut rüber.

Während das Teku sehr an ein Weinglas erinnert, außer dem geschwungenen Rand unterscheidet es ja nicht viel von Selbigem, ist das Oha Glas näher am Bierglas und liegt auch besser in der Hand.

Wir haben noch mit dem Auris 19 von Riegele und ein paar Belgiern getestet und unterm Strich ist das Oha Bierglas für fast jede Situation gut gerüstet. Außer für Weißbier, das wollte uns nicht so recht schmecken, obwohl die Gutmann Banane deutlich zu riechen war. Das gilt freilich auch für andere Verkostungsgläser. Weißbier ist halt eigen.

Das G1 hat ab jetzt seinen festen Platz in unserem Gläserschrank und die anderen Experten Gläser kommen erst mal auf die Ersatzbank.

Vielen Dank für die Warenprobe an oha design: https://www.facebook.com/Gestaltung.Design/

 

 

 

 

Riegele Dulcis 12

Brauerei:

Riegele, Augsburg, Deutschland.

 

Infos:

Dulcis 12, (dulcis lateinisch: süß, 12: zweite 12 monatige Gärung)  „Süße Verführung“. Riegele ordnet das Bier im Dubbel Bereich ein, ich sehe das eher als Triple.

Gerstenmalz (Steffi) (eigentlich ist das eine Getreidesorte), Caramünch, Weizenmalz, Hafermalz, Honig, Kandis. Hopfen: Hallertauer Mittelfrüh. Zweite Gärung mit Trappisthefe. Alk. Vol.: 9 %. Haltbar: 17.01.2018

Aussehen:

Bernstein, sehr klar, Beständiger Schaum.

 

Geschmack und Nachtrunk:

Süßer Antrunk, Mächtiger mit Honig und Kandis gemäßteter  Körper, sehr runde Mitte, im Abgang ein Hauch von Hopfen, der Hallertauer Mittelfrüh ist hier sauber eingebunden.

 

Rezenz und Mundgefühl:

Samtig, wärmend, sanft carbonisiert.

 

Geruch:

Banane, Honig Karamelmalz, Kräuter.

 

Gesamteindruck:

Ein Dessertbier par excellence! Im ersten Eindruck erschlägt einen das Bier fast mit seinem wuchtigen, süßen Antrunk, aber wenn das eine Weile steht und atmet, erschließt sich das Potential, das dahintersteht. Honig, Karamell und Kräuteraromen, Banane in der Nase und wieder Honig, dann Hopfen im Abgang, ich liebe den Hallertauer Mittelfrüh, der hier so richtig gut eingebunden ist, gerade mal so, dass er dem überbordenden Körper Paroli bietet. Die Trappisthefe, die zur zweiten 12 monatigen Gärung eingesetzt wird, könnte für meinen Geschmack etwas deutlicher hervortreten, obwohl etwas phenolische und pfeffrige Aromen zu erahnen sind.

Die 11 Prozent Alkohol wollen natürlich recht schnell greifen, weswegen ich mich an Riegeles Empfehlung gehalten habe und Hartkäse dazu genossen habe. Wildgeflügel und Apfelstrudel waren gerade nicht griffbereit.

Meine Wahl fiel auf Gruyère und ich habe es nicht bereut. Erst in dieser Kombination habe ich dieses Bier so richtig verstanden. Für mich ist das die neue Referenz der Dessertbiere.

 

 

Riegele Auris 19

Brauerei

Riegele,  Augsburg, Deutschland.

 

Infos:

Auris 19, goldenes Feuer.

Malzsorte Steffi (eigentlich ist das eine Getreidesorte), Hopfen: Opal, Perle, Hefe: untergärig, W 34/70. Alk. Vol.: 9 %. Haltbar: 17.01.2018

Aussehen:

Goldgelb, sehr klar, Beständiger Schaum.

 

Geschmack und Nachtrunk:

Mächtiger Körper, sehr runde Mitte, hopfiger Abgang

 

Rezenz und Mundgefühl:

Ölig, wärmend, rezent.

 

Geruch:

Thymianhonig, Caramel Aromen, etwas Alkohol.

 

Gesamteindruck:

Ein Gesamtkunstwerk, bei dem die Einzelkomponenten perfekt zusammenspielen. Das beginnt beim Malz, das einen mächtigen Körper mit Thymian und Honig Aromen formt, geht über in eine sehr runde, von der untergärigen Hefe geprägte Mitte und endet in einem äußerst harmonischen, hopfigen Abgang. Hier zeigen die beiden Hopfensorten Opal und Perle was sie können.

Das ist Braukunst auf allerhöchstem Niveau, einfach Klasse und das zu einem bezahlbaren Preis!

Hefe Aktivität

Ein Belgian Blonde wird gebraut, heute mit 2 verschiedenen Hefen.

zweiHefen

14:03, Zwei Päckchen Hefe werden, mit im Erlenmeyer Kolben abgekochten Wasser bei etwa 30° angestellt.

2HefenVorderw

14:33, Verdünnte Vorderwürze (ca. 8° P) kommt dazu.

15:33, Die Hefe ist aktiv.

vergoren

Zwei Wochen später. Die Hefen haben von einer Stammwürze von 13,3° P auf 1,2° P Restextrakt heruntervergoren. Das entspricht einem EVG (Endvergärungsgrad) von ca. 92 %.

Spindeln

Schöne Farbe und interessanter Geschmack, noch sehr fruchtig etwas zu herb im Abgang, aber so muss das sein, in diesem Stadium.

Der Biergrantler unterwegs

Fränkisches Bierfest 2016

Donnerstag, Fronleichnam waren wir dann heuer erstmals auf dem Bierfest. Bei strahlendem Sonnenschein ist das keine gute Idee, da hinzugehen, es sei denn, man mag die Menschenmengen, den Lärm, die ständige Platz Suche und das im Stehen trinken. All das kann man sich am letzten Tag, dem Sonntag sparen.

Bratwurstgeruch steigt in die Nase, Musikfetzen dringen ans Ohr, ein paar verirrte Lederhosen-Dirndl-Disneyland-Menschen kommen uns entgegen. Aber Gott sei Dank wirken die ein bisschen verloren hier. An der Mauer stehen humorlose Ordnungskräfte, ein Luftballonverkäufer schleppt sich müde an uns vorbei.

Aber zur Sache. Das erste Bier:

Hembacher, Kellerbier hell: Hellgelb, trüb, stabiler Schaum, schlanker Körper, Mitte etwas fruchtig, herber Abgang, noch recht jung, gutes Bier.

Pale Ale: Bernsteinfarben, trüb, haltbarer Schaum, die üblichen C-Hopfen Aromen, Citrus, Grapefruit und dergleichen, ordentlich hopfig, herber Abgang, bassd!

Hofmannstropfen dunkel: gut wie immer, vor allem, wenn man nach all dem Craftbeer wieder runterkommen will.

Eine Auswahl: Mahrsbräu helles Kellerbier, Mager Dunkel, Brauerei Alt Dunkel, Rittmayer Bitter, Wiethaler Maibock: 6,4% Alk. Vol., hellgelb, klar, ein wenig Schaum hält sich, malziger Antrunk, sanft hopfiger Abgang. Viel Körper, bräuchte etwas mehr Hopfen.

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500 Jahre Reinheitsgebot (RHG) macht natürlich auch vor dem Bierfest im Burggraben nicht halt und das obwohl Franken und insbesondere Nürnberg bis 1806 mit dem RHG nichts zu tun gehabt haben.

Jedenfalls hat man heuer aus dem oben genannten Anlass ein „Minne-Seidla“ im Ausschank, was auch immer das sein mag.

Am Ausschank: „dess machd dann 11,20!“, „Wie weinen?“, Da sann 8,- € Pfand drauf. So gesehen ist das sogar noch günstig auf dem Bierfest. An den anderen Ständen kostet das Seidl jetzt schon 4,- €.

Zutaten: Hafer, Gerste, Weizen, Dinkel, Roggen, Emmer, Einkorn, Sorghum, Hopfen, obergärige Hefe, Wasser.  3,8% Alk.Vol.

Der Beschreibung des offiziellen Begleitheftes des Bierfestes entnehmen wir: „dem heutigen Reinheitsgebot entspricht das Minne-Seidla übrigens trotzdem“.

 

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Bernsteinfarben, anfangs guter Schaum, rauchig, säuerlicher Antrunk, fruchtige Mitte, malzig, fruchtiger Abgang. Sehr süffig! Als „Erdungsbier“ zwischen den Craftbeeren bestens geeignet!

Gutes Bier, aber irgendwie nicht historisch. Egal wie man das dreht und wendet, irgendwas stimmt immer nicht.

Erstmal war das Bier zu dieser Zeit ausgehend von Nürnberg in Teilen von Franken  und der Oberpfalz  schon untergärig,  (nach dem Vorläufigen Biergesetz von 1993 und nur das gilt, darf in untergäriges Bier nur Gerstenmalz, keine anderen Malzsorten.

Man mochte keinen minderwertigen Hafer im Bier (Schultheiß, Nürnberger Stadtarchiv: „Zusammenfassend ist zu sagen, daß in Nürnberg nie geringes Bier, wie z.B. aus Hafer, gebraut wurde….) und Weizen wurde vor allem für die Brotherstellung gebraucht, Sorghum kommt zum Bier brauen vor allem in Afrika zum Einsatz, oder bei uns für glutenfreies Bier.

Die Minne war 1516 längst vorbei, Wolfram von Eschenbach (* um 1160/80; † um/nach 1220) und Walther von der Vogelweide (* um 1170 Geburtsort unbekannt; † um 1230) schon lange mausetot.

Kommen wir zum Craftbeerstand. Neu ist, dass es keine kostenlosen Proben mehr gibt. Man bezahlt jetzt 1,- € pro 0,1l Fingerhütchen. Das ist gut so, weil dann wirklich interessierte Leute schneller an den begehrten Stoff kommen und die Freibiernasen wo Anders hingehen.

Am Sonntag waren wir dann endlich beim  Craftbeer. Den Start machte der „Hopfentiger“ von Veto:

VetoTiger

7,5 % Alk. Vol., 17,8 P Stammwürze,  IBU 55

Goldgelb, klar, haltbarer Schaum, durchtrainierter Körper, malzig fruchtige Mitte, schon hier meldet sich der Hopfen um in ein Finale furioso überzugehen. Sehr herb, langer Nachhall. Kaum zu glauben dass da nur 55 IBU unterwegs sind.

Nase: wunderbare Zitrus und Grapefruit Aromen.

Runde Sache für Hopheads bestens geeignet.

 

Ebenfalls von Veto, Schokobär:

Alk. Vol.: 7 % vol. Stammwürze: 16,9 P, EBC: 138

Recht schlanker Körper, sofort Kaffee und Schokoaromen, Rosinen, allerhand Trockenfrüchte im Mittelteil, im Abgang säuerliche Röstmalzbittere. Bassd!

Hertl: Wein-Bier-Hybried, Schlank, säuerlich, in der Nase etwas blümerant, Parfum, ein Hauch Schwefel, säuerliche Mitte, im Abgang etwas zu herb. Dennoch sehr interessant. Sowas muss ich auch mal brauen!

Motoröl: Kastanie, fast schwarz, Schaum nicht so toll, mächtiger Körper Stout Aromen, säuerlicher malzherber Abgang. In der Nase überwiegt Diacetyl. Runde Sache!

Quitten Gose: angenehm säuerlicher Geruch, hellgelb, sehr klar, knochentrockener Antrunk, fruchtig säuerliche Mitte, sauerer Abgang. Gutes Bier, aber für Gose zu harmlos.

 

Mein Highlight:

Craftbeer ist mit der diesjährigen Gastbrauerei endgültig im Bierfest angekommen: Raven, kommt aus Pilsen. Der Australier Filip Miller gründete im letzten Jahr seine Brauerei. Mit dabei sind Luboš Svobodavon der Pivovar Bizon und der Ami Chris Baerwaldt von der Pivovar Zhůřák.

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Raven

 

Wir haben das Saison, im Bild rechts und und das White IPA getestet.

Saison: Bernstein, recht klar unbesiegbarer Schaum. Sehr schlanker Antrunk, dann doch etwas Körper, fruchtig säuerliche Mitte und recht herber Abgang. In der Nase typische Saisonhefe, hätte mal wieder auf die Belle Saison getippt, aber der Braumeister sagte uns, dass die Mangrove Jacks Saison im Einsatz war. Der Abgang ist mir etwas zu herb, aber das ist mal wieder Jammern auf sehr hohem Niveau.

White IPA: Goldgelb, trüb, sehr haltbarer Schaum, sehr schlank, fruchtige Weizenaromen, ab der Mitte gnadenlos herb. Sehr runde Sache, Ausgezeichnet!

 

Hopfen und Malz, das offizielle Magazin zum Bierfest war letztes Jahr bei jedem Ausschank vorhanden. Heuer habe ich am letzten Tag mühsam eines ergattert.

Am Infostand: Habt ihr heuer weniger Hefte? Wiss mer a ned, vielleicht nehmer ses zum dabbeziern oder fürs Klo mit. Ah, ja.

Die Informationspolitik wurde also schlechter dafür das Bier mit jetzt 4,- € teuerer. Wer die Brauereien noch nicht kennt findet hier ein optimales Betätigungsfeld. Ich werde künftig am Feiertag lieber zu irgendeinem Geheimtipp in die Fränkische fahren. Um bei den Neuerungen auf dem Laufenden zu bleiben genügt mir der Sonntag.

 

Kritik

 

 

Alle Verkostungsberichte sind wie immer zutiefst subjektiv.

 

Nürnberg, 31.05.2016

Prag 2

Tag 2

 

Mit einer fast abenteuerlichen Straßenbahnfahrt gelangten wir zu den Gärten hinter der Burg. Viele Menschen waren unterwegs, Touristen, Hochzeitspärchen, Touristen, schwer bewaffnete, völlig humorlose Soldaten (das Parlament ist nicht weit weg) Touristen…

 

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Durch den „Hradschin“ kommt man zur Mala Strana (Kleinseite), wenn nicht gerade wie bei uns Wachablösung ist. Da bilden sich dann Menschentrauben.

 

 

 

SchlossStiege

 

Weiter gehts über die Zamecke Schody (Schlossstiege) Bloß gut, dass wir die nicht hinauf mussten.

 

 

 

 

malastrana

 

 

Nach der Stiege empfiehlt es  sich den Touristenstrom etwas zu meiden, indem man die eine oder andere menschenleere Gasse nimmt.

 

 

 

 

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Mittagessen im U Glaubicu , das ist ein paar hundert Meter hinter der Karlsbrücke Richtung Mala Strana.

Rene , danke für den Tipp!

Erst mal Wasser. Wir waren völlig ausgetrocknet. Dem Schankkellner hat das gar nicht gefallen, aber wenn wir hier gleich Bier getrunken hätten, wäre der Tag gelaufen gewesen. Also erst mal Wasser, und gutes Essen. Kalbsbraten und Schweinebraten mit böhmischen Knödeln. Nach dem Essen habe ich dann doch noch ein 0,3 er Pilsener Urquell bestellt. Einfach Klasse, diese Ausgewogenheit zwischen Malzkörper und hopfigem Abgang. Wieder hat er die Nase gerümpft. Vielleicht ja zu Recht. Aber wir hatten an diesem Tag noch einiges vor.

U Fleku
Weiter gehts zu Fuß zum U Flecu. Wir waren in den 80er Jahren schon mal im U Flecu, an einem recht anstrengendem Abend. Das Bier war damals gar nicht mal so gut. Daran hat sich leider nichts geändert.

Notiz: Schon auf dem Weg kommen schwankende Gestalten auf uns zu. Eine Reisegruppe steht vor der Wirtschaft. Im Biergarten sind noch Plätze frei. Kellner bieten ganzeTablette, voll mit Schnaps, an den Tischen an. Ein Musiker mit Quetschn (Ziehharmonika) spielt unermüdlich tschechische Lieder.

Das Bier: recht trocken, Dunkles mit Lakritz. 0,4l und für Prag recht teuer.

Vermutlich nur betrunken zu ertragen, dieser Ort.

Nach einem Nachmittagsschläfchen im Hotel gingen wir auf Umwegen zum Pivovar Basta.

Der Kran unten war noch im Einsatz.

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Wie in den 80er Jahren, nur das Auto vor dem Haus lässt erkennen, das wir und im 21. Jahrhundert befinden.

 

 

 

 

 

MaxBasta

Das Basta, Brauerei und Wirtshaus vom Feinsten. Gemütliche Einrichtung, man legt Wert auf viel Holz.

Außer ein paar Amis und uns waren hier nur Tschechen. Die Speisekarte ist auf tschechisch, keine englische Übersetzung. Mit deutsch kommt man hier nicht weit. Gut, dass der Kellner englisch konnte.

Die Bedienungen und Kellner sind Profis. Die sehen von Weitem, wenn man was braucht und sind dabei immer freundlich. Solche Wirtschaften gab es bei uns früher auch einmal. Heute kenne ich in ganz Nürnberg nur noch eine mit nur annähernd gutem Service.

 

 

Basta1

 

Polotmava Lezat, dunkles vom Faß, Kastanienfarben, klar, Schaum hält nicht lange. Vollmundig, malzig, angehnehm gehopft. Sehr gut!

Dazu Wurstsalat mit milden Pepperonis und frischem warmen Brot. Köstlich.

 

 

 

Basta2

Mnichov 14°, kupferfarbenes Starkbier. Cremiger Schaum, gut haltbar, malziger vollmundiger Antrunk, etwas fruchtige Mitte und perfekt gehopfter Abgang. Wunderbar!

Dazu Obatzten (ja, das gibt es in Prag, allerdings mit Sardelle) und wieder dieses wunderbare Brot aus dem Ofen.

 

Basta3

 

Manchmal braucht es im Leben nicht viel zum Glück. Es gab auch noch belgisches Bier vom Faß. Zwar leicht untercarbonisiert, aber als Abschluß einfach perfekt.

Das war auf unserer Prag Reise die beste Brauereiwirtschaft . Das ist noch gute alte Wirthauskulter. Schön, dass es so etwas noch gibt!

 

 

ZlyCasy4

 

Letzte Runde, wieder im Zly Casy.

 

 

 

 

 

ZlyCasy5

 

Links: Kout 5 % Alc. Vol. ein gutes Pils, das ohne Butteraromen auskommt.

Rechts: Punk IPA (Brewdog) vom Faß.

 

 

 

 

Tag 3

BotGa1

 

Botanischer Garten. Ein Ort der Ruhe. Da hat es sogar mir gefallen.

 

 

 

 

 

BotGa

 

Besonders schön ist der japanische Garten.

Danach gings leider schon wieder Heim.

Was bleibt zu sagen? Wir haben 5 Brauereien geschafft und eine wunderbare Kneipe. Tschechien ist eine große Biernation. Prag, wir kommen wieder. Es gibt noch viel zu tun!

 

Prag 1