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Der Biergrantler unterwegs. Belgien Teil 2

Brügge

 

Erst mal ein Tipp: das Auto stellt man besser außerhalb der mittelalterlichen Altstadt von Brügge ab.  Sonst kann das teuer werden, strafzettelmäßig. Wir haben am Bahnhof geparkt. Von dort aus gehen 4 oder 5 Buslinien ins Zentrum und man kann alles Wichtige zu Fuß erreichen.

Je nachdem, wo man hinkommt sind die Touristenmassen unterwegs, wie im Bild oben, am großen Markt, oder man findet ein, zwei Straßen weiter, ruhigere Orte, wie unten im Bild.

 
Wir liefen erst mal etwas herum und nahmen einen kleinen Imbiss.
Dann wurde es Zeit für ein erstes Bier, also sind wir in ein x-beliebiges Cafe eingekehrt und haben ein tadelloses Blondes und ein flämisches Sauerbier, die Bourgogne des Flandres getrunken, letzteres war der etwas milderen Art und von einer ortsansässigen Brauerei (oder doch nicht so richtig aus Brügge? Mehr dazu in Teil 3)

Man bekommt überall ein bisserl Knabberkram dazu, eine nette Geste.

Nach einem Nachmittagsschläfchen gehts dann aber zur Sache, wir sind ja nicht zum Spaß da :).

 

De Halve Maan ist die einzige Brauerei, die noch in Brügge braut, so liegt es nahe, am großen Markt, mit Blick auf den Belfried, erst mal einen Brugse Zot und ein Wit zu trinken.

 

Der „Zot“ ist sowas wie ein Narr oder Irrer, also wie bei uns ein Till Eulenspiegel, nur waren es halt in Brügge alle Bürger, die Irre waren, zumindest war das 1488 die Meinung  von Maximilian von Österreich, der so seine Schwierigkeiten mit den Einwohnern von Brügge  hatte und sagte, man solle die Stadttore schließen, dann hätte man ein großes Irrenhaus. Man wollte damals ein Irrenhaus bauen, das von ihm genehmigt werden musste.

Im Jahre 2005, so erzählte uns ein Braumeister der Halve Maan Brauerei, ließ man die Einwohner abstimmen, wie das neue Brügger Stadtbier heißen solle und so kam es zu dem Namen „Brugse Zot“.

Belfried? Genau, das ist der Turm, von dem sich Ken (Brendan Gleeson) im Film „Brügge sehen und sterben“ herunterstürzt und sowas wie ein Wahrzeichen ist er auch. Noch heute darf kein Gebäude in Brügge höher sein als der Belfried.

Im Film kostet der Eintritt noch 5 €,  jetzt ist der Kurs schon bei 10 €, die wir aber lieber in Bier investiert haben, z. B.: im ‚t Poatersgat, das sich in einem etwas schummrigen Kellergewölbe befindet.

Wieder empfängt uns 80er Jahre Musik, wie im de Vrede, nur ist hier ein Wirt am Werk, der wieselflink die Gäste bedient, ausschenkt, leere Gläser abräumt, abspült, also wirklich alles alleine macht. Trotzdem hat der noch Zeit zu jedem Bier etwas zu sagen. Da arbeitet einer mit Spaß an seinem Job und das kommt bei seinen Gästen an. Natürlich gibt es da nichts zum Essen. Da geht es um Bier und sonst nichts.

 

Tja, wo anfangen? Sympathisch ist schon mal, dass es da eben keine 50 Zapfhähne gibt. Ich frage mich immer, wie frisch man da  sein Bier bekommt, wenn man mal was ausgefalleneres will und vor allem wer die Bierleitungen wartet, aber egal, zur Sache:

Los geht es mit einem Saison Dupont und einem Gouden Carolus Classic.

Beides für ihren jeweiligen Stil sehr gute Biere und auf jeden Fall zu empfehlen.

Bei der Auswahl im ‚t Poatersgat, bin ich von meinem Plan, nur Biere aus der Gegend, also Flandern, zu trinken etwas abgekommen.

La Chouffe Houblon Dobbelen IPA Tripel, vom Faß, kombiniert in perfekter Form klassisches englisches IPA mit belgischem Tripel. Man hat den trocken malzigen Antrunk und die belgischen Hefearomen eines Tripel mit der Bittere eines IPA harmonisch vereint. Große Klasse!

Die von zwei Hobbybrauern, Pierre Gobron und Chris Bauweraerts 1982 gegründete Brasserie D` Achouffe gehört seit 2006  zu Duvel-Moortgat, das tut der Qualität aber keinen Abbruch.

 

Endlich Sauerbier, links sieht man die Duchesse de Borgogne, links das Delirium Red. Beides polarisierende Biere. Die Duchesse ist ein Flemish Red, mit wunderbar malzigem Antrunk, Balsamico in der Nase und mild saurem Abgang. Viele bemängeln die Essignoten, ich liebe sie.

Das Delirium Red der Brouwerij Huyghe ist so manchem Kritiker zu süß. Das Bier hat von allem deutlich zu viel,  diese schwere Süße, der überbordende barocke Körper, die wuchtigen 9% Alk. und das alles frisch vom Faß, das ist genau meine Welt, da könnte ich mich reinlegen.

Hier im ‚t Poatersgat waren viele junge Leute unterwegs und vor allem die Mädels tranken das im Vordergrund stehende Lupulus Hopera. Korrektes Bier auf der hopfigen Seite, meiner Frau hat es gut geschmeckt. Mir war das zu wenig belgisch und so habe ich abschließend an diesem Abend das bekannte Westmalle Triple getrunken, sozusagen zur Erdung und zum abschließendem Vergleich.  In unserer Unterkunft gab es dann noch ein Orval.

Was für ein erster Tag in Brügge , aber es sollte noch besser werden!

Hier geht es zu Teil drei.

Nürnberg, September 2017

 

Der Biergrantler unterwegs. Belgien Teil 1

Flandern, Vleteren, Poperinge.

Belgien? Urlaub in Belgien? Da sind wir immer nur durchgefahren. Das ist die Reaktion, die man von den meisten Leuten bekommt, wenn man sagt, dass man in Belgien Urlaub macht. Belgien ist vermutlich das Land mit der größten Biervielfalt der Welt. Einen winzig kleinen Teil davon haben wir uns  angeschaut.

Nach einem 800 km Nonstop Trip sind wir im „In de Vrede“ und haben „die Drei“ Westvleteren Biere vor uns. Auf diesen Moment habe ich sehr lange gewartet.

Von links nach rechts: Blonde, 8 und 12.

Die Biere kommen zu kalt und sehr spritzig, also erst mal stehen lassen und laangsam genießen.

Eine Tagebuchnotiz:

Das de Vrede ist eigentlich eine große Wartehalle ohne Athmosphäre, dazu Radiomusik mit Titeln aus den 80ern, Stones, Clapton. 8er gut aber kein Vergleich zum 12er. Blonde: sehr erfrischend, mal wieder nachbrauen.  12er einsame Klasse!

Mehr war an dem Abend nicht möglich, da würde man nur unfair werden. Das de Vrede schließt um 21 Uhr. Da kennen die keine Verwandten.

Am nächsten Tag hatten wir dann volles Programm. Erst mal nach Poperinge, dem belgischen Hopfenzentrum.

Sogar mit Maibaum, fast wia dahoam.

 

 Man ist Stolz auf den eigenen Hopfen. Überall hängen Transparente und stehen Schilder. Auch ein Hopfenmuseum haben sie.  Im kleinen Tante Emma „Spar“ Laden, wo wir uns Brotzeit eingekauft haben, gibt es gutes Bier für etwa 1.- € pro 0,33er Flasche. Abt 12, Poperinge Hommelbier, Orval, und und und…

Anders sieht im de Vrede aus. Es gibt das Westvleteren Blonde, für 17,50 den Sixpack. Das 12er haben heute nicht im Angebot. Also nehmen wir einen Sixpack mit.

Wenn wir schon mal da sind, probieren wir noch mal das Blonde und ein 12er, auch schon am Mittag, dachten wir. Wir warteten also 10 min, die Bedienungen sausten an uns vorbei, wir warteten 20 min, noch nicht mal bestellen konnten wir. Nach einer halben Stunde sind wir dann gegangen. Servicewüste im de Vrede.

 

Die Brauerei Tour geht weiter. Wir schauen uns die  St. Bernardus Brewerij an. Probieren kann man das Bier nicht  vor Ort, ist aber auch nicht nötig, Abt 12 und das sehr gute Tripel haben wir gestern Abend, nach dem de Vrede, noch in unserer gemütlichen Unterkunft getrunken, wo der Sohn auch selber braut, auf einer Ami Automatik Anlage. Kleine Welt, großes Hobby.

Einen Prior 8 nehmen wir uns noch mit, im gut bestückten Brauerei Shop. Man hat großes vor mit der Brauerei und ist mitten im Umbau:

Weiter gehts zu de Plukker.
Die kleine Brauerei ist direkt neben dem Hopfenfeld. Es wird auch nur mit dem Hopfen aus Poperinge gebraut. Eigentlich hat der nur am Samstag Verkauf und wir sind an einem Dienstag vor Ort, aber ich wage den Versuch einzutreten.
Kranke, laute Metallic Musik (oder wie das heißt) empfängt uns. Hallo, we want to buy some beers. Ein gut gelaunter Mittvierziger empfängt uns. Dem ist die Begeisterung für seinen Beruf an den blitzenden Augen abzulesen. Ich sage ihm noch, dass wir 800 km durchgefahren sind und nach ein bisschen Smalltalk kaufe ich ihm,
ohne probiert zu haben 12 Flaschen ab.
Inzwischen haben wir das natürlich probiert und es war jeden Cent wert. Hopfen hatte er leider keinen zu verkaufen, hat uns aber auf einen Hobbybrauerladen in Poperinge hingewiesen. Der stellte sich als Baumarkt mit Brouwland Abteilung heraus. Hier die Hopfenauswahl:
Ich habe einen Bazooka Filter fürs Hopfenkochen und 2kg Weizenflocken mitgenommen.
Da wäre schon noch mehr interessantes Zeug gewesen, aber Belgien ist teuer und wir hatten noch ein paar Tage vor uns.
Nach einem guten Abendessen in Poperinge mit Lagerbier (ja untergärig, einwandfrei) Spareribs und hervorragenden Pommes wollten wir es noch einmal wissen: also zurück ins de Vrede. Ein letzter Test des 12ers.
Wir kamen um ca. 19:30 in den Biergarten und ein schlecht gelaunter Kellner erklärte und sogleich, dass um 21 Uhr Feierabend sei.  Aber zur Sache, aus dem Notizbuch:
 
Aussehen:
Kastanie, fast schwarz, haltbarer Schaum, perlend, recht klar.
Nase:
Schoko, Toffee, die Trockenfruchtfamilie, reife Kirschen….
Geschmack:
Wuchtig, schwerer Antrunk, fruchtig aromatische Mitte, Herrenschokolade, Pflaumen, Zwetschgen, langer hopfiger Abgang + viertes Element, eine Art Zusammenfassung der Aromen nach dem Abgang, excellent!
Was haben wir nicht alles im Vorfeld gehört, das 8er ist besser, das 12er wird zu jung ausgeschenkt, so richt schmeckt das erst nach ein paar Monaten, Bernardus Abt 12 ist besser etc, etc.
Das Bier kommt zu kalt, ist zu jung und genau dieses junge, ungestüme Bier, das von Allem zu viel hat mag ich sehr. Ich kenne das 12er auch gealtert. Das hat natürlich auch seinen Stellenwert, aber wie sie das im de Vrede zu kalt ausschenken, ist schon in Ordnung. Das zu kalte Bier kann sich langsam entfalten und so richtig seine Klasse zeigen.
Das 8er müssen sie meiner Meinung nach nicht mehr brauen, dafür das Blonde und das 12er ordenlich vertreiben, nicht verteuert und verknappt im de Vrede und auch nicht mit Telefonterror über die Hotline des Klosters.

Wie kommt das, dass die in dieser Gegend, wo nach unseren Maßstäben nichts los ist, so ein Bier gebraut wird. Man denke nur mal an das Hofbräuhaus in München.
Die Gegend ist ländlich, die Landwirtschaft überwiegt, nur alle paar Kilometer sind kleine Ansiedlungen, die Häuser höchstens einstöckig, auch Neubauten.
Es ist alles sehr aufgeräumt, das Kloster gleicht einer Trutzburg, in die man weder hinein noch hinaus kommt. Das Bild oben, das „In de Vrede, “ ist die einzige Gastronomie, wo das Bier offiziell ausgeschenkt wird. Das wirkt von Außen auch eher wie ein Gotteshaus, sehr aufgeräumt und ohne weltliche Gelüste. Ich denke, es braucht diese Ordnung um dieses außergewöhnliche Bier brauen zu können.
Am nächsten Tag war das Blonde und das 8er im Angebot, also haben wir noch je einen Sixpack mitgenommen.
Das wars dann aber für mich, mit den Westvleteren Bieren. Den Zirkus, den sie dort schlecht gelaunt veranstalten, brauche ich nicht mehr. Wenn ich zufällig und ich betone zufällig, wieder an ein 12er komme, nehme ich das natürlich mit, aber bewusst werde ich mich drum nicht mehr bemühen, da gibt es noch anderes Schönes wie wir noch sehen und vor allem trinken sollten, z.B. das Oud Bruin der Seizoensbrouwerij Vanderwalle:
Auf dem Weg nach Brügge haben wir noch den Umweg über Roeselare gemacht um die Rodenbach Brauerei mal zu sehen.
Leider mit Null Hinweis auf Verkauf, Öffnungszeiten und dergleichen. Kein Biergarten und weit und breit keine Wirtschaft mit Rodenbach Bieren.
Nürnberg, September 2017

Reninge Oud Bruin, Seizoensbrouwerij Vandewalle

Infos:

Seizoensbrouwerij Vandewalle Reninge Oud Bruin, 6% Alk. Vol., 0,75 l Flasche.

Aussehen:

Dunkelbraun, fast schwarz, klar, Betonschaum.

Nase:

Kirschsirup,  Balsamiko, trocken malzig.

Geschmack:

Sehr trockener, malziger Antrunk, perlend. Mitte fruchtig, sauer mit gekonnt herbem Abgang. Die Nase suggeriert ein eher süß saures Oid Bruin, aber das ist eindeutig mit Schwerpunkt auf der sauren Seite.

Gesamteindruck:

Sehr trocken saures Oid Bruin, ohne Kompromisse für die süße Seite. Klasse Stoff!  Die Seizoensbrouwerij Vandewalle ist gerade mal 7,4 km Luftlinie von der St. Sixtus Brauerei entfernt. Wenn ich mal wieder nach Flandern komme, steht ein Brauereibesuch an.

Nürnberg, September 2017

Riegele Dulcis 12

Brauerei:

Riegele, Augsburg, Deutschland.

 

Infos:

Dulcis 12, (dulcis lateinisch: süß, 12: zweite 12 monatige Gärung)  „Süße Verführung“. Riegele ordnet das Bier im Dubbel Bereich ein, ich sehe das eher als Triple.

Gerstenmalz (Steffi) (eigentlich ist das eine Getreidesorte), Caramünch, Weizenmalz, Hafermalz, Honig, Kandis. Hopfen: Hallertauer Mittelfrüh. Zweite Gärung mit Trappisthefe. Alk. Vol.: 9 %. Haltbar: 17.01.2018

Aussehen:

Bernstein, sehr klar, Beständiger Schaum.

 

Geschmack und Nachtrunk:

Süßer Antrunk, Mächtiger mit Honig und Kandis gemäßteter  Körper, sehr runde Mitte, im Abgang ein Hauch von Hopfen, der Hallertauer Mittelfrüh ist hier sauber eingebunden.

 

Rezenz und Mundgefühl:

Samtig, wärmend, sanft carbonisiert.

 

Geruch:

Banane, Honig Karamelmalz, Kräuter.

 

Gesamteindruck:

Ein Dessertbier par excellence! Im ersten Eindruck erschlägt einen das Bier fast mit seinem wuchtigen, süßen Antrunk, aber wenn das eine Weile steht und atmet, erschließt sich das Potential, das dahintersteht. Honig, Karamell und Kräuteraromen, Banane in der Nase und wieder Honig, dann Hopfen im Abgang, ich liebe den Hallertauer Mittelfrüh, der hier so richtig gut eingebunden ist, gerade mal so, dass er dem überbordenden Körper Paroli bietet. Die Trappisthefe, die zur zweiten 12 monatigen Gärung eingesetzt wird, könnte für meinen Geschmack etwas deutlicher hervortreten, obwohl etwas phenolische und pfeffrige Aromen zu erahnen sind.

Die 11 Prozent Alkohol wollen natürlich recht schnell greifen, weswegen ich mich an Riegeles Empfehlung gehalten habe und Hartkäse dazu genossen habe. Wildgeflügel und Apfelstrudel waren gerade nicht griffbereit.

Meine Wahl fiel auf Gruyère und ich habe es nicht bereut. Erst in dieser Kombination habe ich dieses Bier so richtig verstanden. Für mich ist das die neue Referenz der Dessertbiere.

 

 

Riegele Auris 19

Brauerei

Riegele,  Augsburg, Deutschland.

 

Infos:

Auris 19, goldenes Feuer.

Malzsorte Steffi (eigentlich ist das eine Getreidesorte), Hopfen: Opal, Perle, Hefe: untergärig, W 34/70. Alk. Vol.: 9 %. Haltbar: 17.01.2018

Aussehen:

Goldgelb, sehr klar, Beständiger Schaum.

 

Geschmack und Nachtrunk:

Mächtiger Körper, sehr runde Mitte, hopfiger Abgang

 

Rezenz und Mundgefühl:

Ölig, wärmend, rezent.

 

Geruch:

Thymianhonig, Caramel Aromen, etwas Alkohol.

 

Gesamteindruck:

Ein Gesamtkunstwerk, bei dem die Einzelkomponenten perfekt zusammenspielen. Das beginnt beim Malz, das einen mächtigen Körper mit Thymian und Honig Aromen formt, geht über in eine sehr runde, von der untergärigen Hefe geprägte Mitte und endet in einem äußerst harmonischen, hopfigen Abgang. Hier zeigen die beiden Hopfensorten Opal und Perle was sie können.

Das ist Braukunst auf allerhöchstem Niveau, einfach Klasse und das zu einem bezahlbaren Preis!

Prag 1

Letzte Augustwoche 2015, Hitzewelle. Wir saßen in einer Straßenbahn in Richtung Prager Altstadt. Bis hierher hatte meine Frau alles organisiert. Dann sollte ich meine Nase einsetzen. Das ist eine alte Tradition bei uns. Unvorbereitet in irgendeine Stadt fahren und auf gut Glück eine gute Wirtschaft suchen. (In Bayern ist das eigentlich einfach, man beginnt die Suche in der Nähe der Kirche)

Natürlich habe ich auf dem Handy auch eine Bierapp für Prag, die aber erst später zum Einsatz kommen sollte.

 

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Nase spielen lassen also. Beim Vorbeifahren sah ich ein Restaurant, rein äußerlich das bis dahin Einladendste. Also sind wir ausgestiegen. Schon an der Speisekarte sahen wir, dass das ein Volltreffer war.

 

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Eine Brauereiwirtschaft. Wunderbare Malzdüfte empfingen uns schon am Eingang. Um in den Biergarten zu gelangen, musste man an der Minibrauerei vorbei.  Offenbar hatte man gerade eingemaischt.

 

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Nach einem guten alkoholfreien Staropramen haben wir das hausgebraute 11° Pils im Glas. Notiz:

Sehr klar, goldgelb, fester Schaum. Butter schon beim ersten Schluck bemerkbar, hopfiger Abgang. Gutes Bier!

Das dunkle 13° haben wir auch noch getestet:

Kastanienbraun, recht klar. Cremiger Schaum. Angenehm schlanker Körper im Antrunk. Malzige Mitte aber nicht zu süß, sanfte Malz/Hopfenbittere im Abgang. Hier passt der Diacethyl (Butter) Geschmack besser.

Die Kellner sind Profis, die Schweinshaxe war gut, mit Krautsalat süßen und scharfen Senf, sowie Meerrettich.

Weiter ging es zur unvermeidlichen Karlsbrücke und darüber in die Mala Strana (Kleinseite). Hier schauten wir uns den Tipp eines Kollegen, das U Glaubicu an. Leider bekamen wir keinen Platz.

 

Karlsbrücke1

 

Dann kam die Bierapp zum Einsatz. Funktioniert ohne Internet mit GPS. Sie führte uns zur Kleinbrauerei Pratzskymost:

Es gibt 3 hausgebraute Biere, in 0,3 und 0,5l Gläsern. Zum probieren reichten uns die 0,3er.

Most svetle 12°, Pils, sehr gut gehopft, ungefiltert, guter Schaum.

Most tmave 13°, Dunkles, ungefiltert, recht trocken, trotzdem malzig, feiner Schaum.

Most rezane 12°, Mischung der Obigen, kommt fränkischem Lagerbier sehr nahe.

Alle kommen ohne Butteraromen aus.

Auf dem Weg zur Straßenbahn war dann noch die Kleinbrauerei       U Dobrenskych

Wunderbare Hopfendüfte empfingen uns. Man war gerade am Hopfenkochen. Was für ein Tag. Zwei Brauereien während des Brauens…

Zwei Biere waren im Ausschank. Notiz:

Das obligatorische svetle, ein naturtrübes Pils, leicht untercarbonisiert, recht fruchtig, war noch sehr jung, aber gut!

Das Andere ? ja , was war das eigentlich ? 14°

Wonach riecht das? Ananas, Mandarine oder doch nicht ganz? Schlanker Körper, fruchtige Mitte, herb im Abgang, Pale Ale ???

zur Bedienung: „what kind of beer is this?“

lächelnd: „it`s brewed with some kind of herbs.“

Und weg war sie, am nächsten Tisch.

Kräuter, na klar! Da kommt man ins Grübeln, ob man überhaupt noch etwas über Bier weiß, dabei würzen die einfach Kräuter in ihre Brühe.

Nach einem langen Tag, mit Anreise und immerhin drei Brauereitests landen wir schließlich in der Nähe unseres Hotels, im Zly Casy, was so viel wie schlechte Zeiten heißt. Gleichwohl hatten wir da eine gute Zeit.

 

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12 Biere vom Fass, davon sind 3 Pilsener, der Rest „Craftbeere“, etliche tschechische und  Brewdog,

Aus der Flasche Anchor, Brewdog, De Molen, Flying Dog, Mikkeller, usw, usw.

Wir wollten natürlich das tschechische Pivo vom Fass.

 

 

 

ZlyCasy2

 

Links im Bild das Permon Black IPA Sokolov, Czech Republic.

5,7  %  Alc. Vol. Für den Stil zu harmlos. Da braucht es von allem mehr. Mehr Alkohol, Mehr Körper, mehr IBUs.

Rechts im Bild, hell:

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Permon Hopper Cascade, 6,3% Alc. Vol.,  Sokolov, Czech Republic. Typisches Cascade IPA. Wunderbare Grapefruit und Ananas Aromen. Sehr gut!

 

Weiter geht es mit Prag 2.

 

 

18. Bierfest im Burggraben

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Der Burggraben von oben, im Hinterrgrund rechts das Hexenhäusl. Eher was für Touristen.

Der Publikumsandrang beim 18. Bierfest im Burggraben (03. – 07. Juni 2015) war bis auf den ersten Tag, wo richtig was los war, überschaubar.

Die verkosteten Biere waren durchweg von hoher Qualität. Noch immer kann man sich bedenkenlos bei einer der Brauereien niederlassen und sitzen bleiben.

Ein paar  außergewöhnliche Biere möchte ich aber doch kurz skizzieren. Vorweg muss man sagen, dass eine Verkostung im strengen Sinne auf dem Bierfest fast nicht möglich ist. Die Essensgerüche und der Lärm sind einfach zu störend.

 

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Das Rittmayer Bitter 58, hellgelb, recht trüb, beständiger feiner Schaum.

Sehr schlanker Körper, Grapefruit, grüne deutsche Hopfenaromen, kompromisslos herber Abgang, langer Nachhall.

 

 

 

2015-06-03 20.39.58Zwanzger Equinox, Bernstein, hefetrüb, feinporiger Schaum, schlanker Körper, fruchtige Mitte und fruchtig herber Abgang. Sehr aromatisch. Etwas mehr Kohlensäure wäre gut.

 

 

 

 

 

2015-06-04 17.32.17Hembacher Spezial Festbier. Fürs Bierfest gebraut.

Recht klar, Kupferfarben, feiner Schaum, durchtrainierter Körper, malzig, vollmundig, gut gehopfter Abgang. Ein Bier wie eine Mahlzeit. Das ist halt hohe fränkische Braukunst. Ein dunkles Lagerbier mit erkennbar hopfigen Abgang, sehr rund und harmonisch gebraut. So etwas findet man außerhalb Frankens nur selten!

 

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Wiethaler Hoptimum.

Hellgelb, hefetrüb, beständiger Schaum.

Nase: Grapefruit- und Citrusaromen.

Schlanker Körper, fruchtige Mitte, herber Abgang, langer Nachhall.

Herber und besser als letztes Jahr, man hat ordentlich Hopfen in die Hand genommen, das hat dem Pale Ale sehr gut getan.

 

2015-06-06 19.51.16

Pyraser, Liebe im Kornfeld. 5,5 % Alc. Vol. 6 verschiedene Malze, Hopfen: Spalter Select.

Bernstein, etwas heller als das IIPA, hefetrüb. Beständiger Schaum.

Recht schlanker Antrunk, samtige Mitte mit etwas Vanille, fruchtig säuerlicher Abgang.

Nase: Vanille, sanfte Säure, sanft carbonisiert. Sehr fein!

Das ist ein Bier, das man noch einmal in anderem Ambiente trinken muss. Denn ausgeschenkt wurde das in einem wackligen Bauwagen mit wackligem Anhänger. Die Tische waren mehr als schräg. Das 0,1 er kostete 3.- €. Bei allem Respekt, aber das geht zu weit! So vergrault man Sympathisanten. Immerhin bekommt man das am Craftbeer Stand nebenan, so er denn geöffnet hat, umsonst. Wie sich das vereinbart? Pfffft.

 

2015-06-06 20.25.36

Kommen wir zur Gastbrauerei: Storchenbräu, helles Export.

Hellgelb, sehr klar, feiner Schaum, recht gut haltbar. Leicht malziger Antrunk, aber nicht aufdringlich. Vollmundige Mitte, hopfiger Abgang. Wohl carbonisiert.

Ausgewogenes Exportbier, dem Stil entsprechend.

 

 

 

2015-06-06 20.51.12

Main Seidla, Brauhaus Binkert. Amber Spezial.

5,9% Alc. Vol. 13,8 % Stammwürze. Hopfen gestopft.

Bernstein, schon fast rot, leicht trüb, feiner Schaum

Malziger Antrunk, dennoch schlanker Körper. Ab der Mitte schon hopfig. Das geht sofort ineinander, Malz und Hopfen, bis in den Abgang. Der Hopfen überwiegt aber am Ende. Gut carbonisiert. Samtig im Mund. Nase: grün, Haselnuss, Spalter Select?

Saubere Arbeit, Hervorragend! Das Brauhaus Binkert gibt es seit 2012 in Breitengüßbach.

 

 

 

Bierpapst2015-06-07 16.08.09

 

Rechts, Selfie oder wie des hassd.

Am schönsten wars am Craftbeer Pavillion. Der gut gelaunte fränkische Bierpapst Markus Raupach ( links) hat äußerst fachkundig über die neuen Biere referiert. Dazu nette Gespräche mit Brauerkollegen und reichlich Bierproben, so lässt es sich leben.

 

 

2015-06-07 15.17.45So, das Beste kommt zum Schluß. Hofmühl Columbus. Imperial Pale Ale, 10,5 % Alc. Vol.

Goldgelb, recht klar, kein Schaumwunder.

Süßlich, malziger Antrunk, unglaublich fruchtige Mitte, herb, fruchtig, säuerlicher Abgang, langer hopfiger Nachhall.

Unglaublicher Geruch. Allerhand Früchte, Aprikosen, Zitrusfrüchte, Grapefruit. Sanft carbonisiert und trotz der 10 % Alc irgenwie erfrischend.

Das einzig störende war der Preis und der junge unflexible Zapfer. Mit dem Sektglas abgemessen und ins von mir geforderte Weinglas umgefüllt, dass da ja kein Tropfen zuviel reinkommt. Bei einem Preis von 3,50 € für 0,1 l ist das mehr als geizig.

Das Begleit Magazin zum Bierfest wurde, so scheint es mal eben nebenbei vom Praktikanten zusammengestellt. Die Dame auf dem Titelbild mit braunem Hals und bleichem Ausschnitt hat zu allem Überfluss gleich zwei rechte Arme, aber immerhin einen guten Zahnarzt.

Dass der Craftbbeer Pavillion nur von 14 bis 18 Uhr geöffnet hatte und am ersten Tag gar nicht besetzt war, wurde auch mit keinem Wort im Magazin erwähnt.

Die Öffnungszeiten für den Sonntag sind falsch angegeben mit 17 bis 22 Uhr. Im Internet war es mit 11 bis 22 Uhr richtig angegeben. Das mag auch erklären warum es am Sonntag nachmittag ziemlich leer war, auf dem Bierfest.

Trotzdem war das unterm Strich wieder eine gelungene Veranstaltung.

Ach so, einen Geheimtipp hab ich noch: Nikl Tequila Bock. Die Beschreibung ist recht überschwänglich, trifft aber die Sache recht genau.