Der Biergrantler unterwegs. Belgien Teil 1

Flandern, Vleteren, Poperinge.

Belgien? Urlaub in Belgien? Da sind wir immer nur durchgefahren. Das ist die Reaktion, die man von den meisten Leuten bekommt, wenn man sagt, dass man in Belgien Urlaub macht. Belgien ist vermutlich das Land mit der größten Biervielfalt der Welt. Einen winzig kleinen Teil davon haben wir uns  angeschaut.

Nach einem 800 km Nonstop Trip sind wir im „In de Vrede“ und haben „die Drei“ Westvleteren Biere vor uns. Auf diesen Moment habe ich sehr lange gewartet.

Von links nach rechts: Blonde, 8 und 12.

Die Biere kommen zu kalt und sehr spritzig, also erst mal stehen lassen und laangsam genießen.

Eine Tagebuchnotiz:

Das de Vrede ist eigentlich eine große Wartehalle ohne Athmosphäre, dazu Radiomusik mit Titeln aus den 80ern, Stones, Clapton. 8er gut aber kein Vergleich zum 12er. Blonde: sehr erfrischend, mal wieder nachbrauen.  12er einsame Klasse!

Mehr war an dem Abend nicht möglich, da würde man nur unfair werden. Das de Vrede schließt um 21 Uhr. Da kennen die keine Verwandten.

Am nächsten Tag hatten wir dann volles Programm. Erst mal nach Poperinge, dem belgischen Hopfenzentrum.

Sogar mit Maibaum, fast wia dahoam.

 

 Man ist Stolz auf den eigenen Hopfen. Überall hängen Transparente und stehen Schilder. Auch ein Hopfenmuseum haben sie.  Im kleinen Tante Emma „Spar“ Laden, wo wir uns Brotzeit eingekauft haben, gibt es gutes Bier für etwa 1.- € pro 0,33er Flasche. Abt 12, Poperinge Hommelbier, Orval, und und und…

Anders sieht im de Vrede aus. Es gibt das Westvleteren Blonde, für 17,50 den Sixpack. Das 12er haben heute nicht im Angebot. Also nehmen wir einen Sixpack mit.

Wenn wir schon mal da sind, probieren wir noch mal das Blonde und ein 12er, auch schon am Mittag, dachten wir. Wir warteten also 10 min, die Bedienungen sausten an uns vorbei, wir warteten 20 min, noch nicht mal bestellen konnten wir. Nach einer halben Stunde sind wir dann gegangen. Servicewüste im de Vrede.

 

Die Brauerei Tour geht weiter. Wir schauen uns die  St. Bernardus Brewerij an. Probieren kann man das Bier nicht  vor Ort, ist aber auch nicht nötig, Abt 12 und das sehr gute Tripel haben wir gestern Abend, nach dem de Vrede, noch in unserer gemütlichen Unterkunft getrunken, wo der Sohn auch selber braut, auf einer Ami Automatik Anlage. Kleine Welt, großes Hobby.

Einen Prior 8 nehmen wir uns noch mit, im gut bestückten Brauerei Shop. Man hat großes vor mit der Brauerei und ist mitten im Umbau:

Weiter gehts zu de Plukker.
Die kleine Brauerei ist direkt neben dem Hopfenfeld. Es wird auch nur mit dem Hopfen aus Poperinge gebraut. Eigentlich hat der nur am Samstag Verkauf und wir sind an einem Dienstag vor Ort, aber ich wage den Versuch einzutreten.
Kranke, laute Metallic Musik (oder wie das heißt) empfängt uns. Hallo, we want to buy some beers. Ein gut gelaunter Mittvierziger empfängt uns. Dem ist die Begeisterung für seinen Beruf an den blitzenden Augen abzulesen. Ich sage ihm noch, dass wir 800 km durchgefahren sind und nach ein bisschen Smalltalk kaufe ich ihm,
ohne probiert zu haben 12 Flaschen ab.
Inzwischen haben wir das natürlich probiert und es war jeden Cent wert. Hopfen hatte er leider keinen zu verkaufen, hat uns aber auf einen Hobbybrauerladen in Poperinge hingewiesen. Der stellte sich als Baumarkt mit Brouwland Abteilung heraus. Hier die Hopfenauswahl:
Ich habe einen Bazooka Filter fürs Hopfenkochen und 2kg Weizenflocken mitgenommen.
Da wäre schon noch mehr interessantes Zeug gewesen, aber Belgien ist teuer und wir hatten noch ein paar Tage vor uns.
Nach einem guten Abendessen in Poperinge mit Lagerbier (ja untergärig, einwandfrei) Spareribs und hervorragenden Pommes wollten wir es noch einmal wissen: also zurück ins de Vrede. Ein letzter Test des 12ers.
Wir kamen um ca. 19:30 in den Biergarten und ein schlecht gelaunter Kellner erklärte und sogleich, dass um 21 Uhr Feierabend sei.  Aber zur Sache, aus dem Notizbuch:
 
Aussehen:
Kastanie, fast schwarz, haltbarer Schaum, perlend, recht klar.
Nase:
Schoko, Toffee, die Trockenfruchtfamilie, reife Kirschen….
Geschmack:
Wuchtig, schwerer Antrunk, fruchtig aromatische Mitte, Herrenschokolade, Pflaumen, Zwetschgen, langer hopfiger Abgang + viertes Element, eine Art Zusammenfassung der Aromen nach dem Abgang, excellent!
Was haben wir nicht alles im Vorfeld gehört, das 8er ist besser, das 12er wird zu jung ausgeschenkt, so richt schmeckt das erst nach ein paar Monaten, Bernardus Abt 12 ist besser etc, etc.
Das Bier kommt zu kalt, ist zu jung und genau dieses junge, ungestüme Bier, das von Allem zu viel hat mag ich sehr. Ich kenne das 12er auch gealtert. Das hat natürlich auch seinen Stellenwert, aber wie sie das im de Vrede zu kalt ausschenken, ist schon in Ordnung. Das zu kalte Bier kann sich langsam entfalten und so richtig seine Klasse zeigen.
Das 8er müssen sie meiner Meinung nach nicht mehr brauen, dafür das Blonde und das 12er ordenlich vertreiben, nicht verteuert und verknappt im de Vrede und auch nicht mit Telefonterror über die Hotline des Klosters.

Wie kommt das, dass die in dieser Gegend, wo nach unseren Maßstäben nichts los ist, so ein Bier gebraut wird. Man denke nur mal an das Hofbräuhaus in München.
Die Gegend ist ländlich, die Landwirtschaft überwiegt, nur alle paar Kilometer sind kleine Ansiedlungen, die Häuser höchstens einstöckig, auch Neubauten.
Es ist alles sehr aufgeräumt, das Kloster gleicht einer Trutzburg, in die man weder hinein noch hinaus kommt. Das Bild oben, das „In de Vrede, “ ist die einzige Gastronomie, wo das Bier offiziell ausgeschenkt wird. Das wirkt von Außen auch eher wie ein Gotteshaus, sehr aufgeräumt und ohne weltliche Gelüste. Ich denke, es braucht diese Ordnung um dieses außergewöhnliche Bier brauen zu können.
Am nächsten Tag war das Blonde und das 8er im Angebot, also haben wir noch je einen Sixpack mitgenommen.
Das wars dann aber für mich, mit den Westvleteren Bieren. Den Zirkus, den sie dort schlecht gelaunt veranstalten, brauche ich nicht mehr. Wenn ich zufällig und ich betone zufällig, wieder an ein 12er komme, nehme ich das natürlich mit, aber bewusst werde ich mich drum nicht mehr bemühen, da gibt es noch anderes Schönes wie wir noch sehen und vor allem trinken sollten, z.B. das Oud Bruin der Seizoensbrouwerij Vanderwalle:
Auf dem Weg nach Brügge haben wir noch den Umweg über Roeselare gemacht um die Rodenbach Brauerei mal zu sehen.
Leider mit Null Hinweis auf Verkauf, Öffnungszeiten und dergleichen. Kein Biergarten und weit und breit keine Wirtschaft mit Rodenbach Bieren.
Nürnberg, September 2017

2 Gedanken zu „Der Biergrantler unterwegs. Belgien Teil 1“

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